Pressemitteilung Nr. 18/846

Statement des wirtschaftspolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion Dr. Christos Pantazis zur Vier-Tage-Woche

Pressemitteilung Nr. 18/846

„Die SPD-Landtagsfraktion begrüßt den Vorschlag der IG Metall, in Zeiten von Corona und Strukturwandel auch die Vier-Tage-Woche in Betracht zu ziehen, und appelliert an die Tarifpartner, sich diesem Vorschlag konstruktiv anzunehmen. Die aktuelle dramatische konjunkturelle Lage zeigt, dass diese Krise in ihrem Ausmaß und in ihrer Dynamik keineswegs mit der Finanzkrise von 2008 zu vergleichen ist. Das Gebot der Stunde ist daher, kreative und gleichzeitig pragmatische Lösungsansätze anzugehen, um die Volkswirtschaft zu unterstützen und Arbeitsplätze zu erhalten. Allein in Niedersachsen benötigen die rund 580.000 Beschäftigten in Kurzarbeit eine echte arbeitspolitische Perspektive.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Reduzierung der Arbeitszeit schon einmal ein geeignetes Instrument war, um in einer Krise Arbeitsplätze zu erhalten. Im Jahr 1994 beispielsweise hat der VW-Konzern in einer Krisensituation die Entlassung von insgesamt 30.000 Beschäftigten mit der Einführung der Vier-Tage-Woche verhindern können. Volkswagen durchlebte in dieser Zeit die schlimmste Absatzkrise der Firmen-Geschichte, und allein am Standort Wolfsburg standen zeitweise 15.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Dieses Beispiel alleine macht deutlich, dass auch unsere Zuliefererindustrie von einer Vier-Tage-Woche profitieren könnte. Wir müssen klassische Arbeitszeitmodelle aufbrechen und kreativere Wege gehen, um in dieser Pandemie unsere Industrie vor einer drohenden Insolvenzwelle zu bewahren und damit auch Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen vor Arbeitslosigkeit zu schützen.

In diesem Zusammenhang befürworten wir den Vorschlag des SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz, das Kurzarbeitergeld auf 24 Monate auszuweiten. Mit einem auf 80 Prozent des entgangenen Nettoentgelts festgeschriebenen Kurzarbeitergeld und einer perspektivischen Absicherung auf 24 Monate kann es uns gelingen, die Kaufkraft im Land auch in der Krise zu stabilisieren. Das Kurzarbeitergeld und die Vier-Tage-Woche stellen daher starke Instrumente dar, die unsere Wirtschaft nachhaltig stimulieren und somit Arbeitnehmer vor dem Jobverlust bewahren können. Es gilt jetzt, jede Option in Betracht zu ziehen, um Massenarbeitslosigkeit zu verhindern und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu sichern.“